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Ernst
Pfaffeneder
Islamisches Kulturzentrum (ARCH)
Islamisches Kulturzentrum für die Stadt Grein an der Donau
Moschee als Aufgabe der Architektur? Im sozialpolitischen Kontext hinterfragt das Projekt die kulturellen Aufgaben und gestalterischen Ansprüche zeitgemäßer Architektur an einem konkreten Ort.
Gemeinsam mit der Greinburg im Westen und dem Stadtkern mit dem dominanten Turmelement der Pfarrkirche soll das Kulturzentrum auf dem Schwalleck im Osten als städtisches Volumen das Gleichgewicht entlang der ruhigen Oberfläche des Donauflusses herstellen. Ein klares trapezförmiges Volumen bildet den Hauptkörper der Anlage und wird fußläufig über eine Freitreppenanlage erschlossen. Auf dem Sockelgeschoß erhebt sich das Hauptbauwerk, im Hauptgeschoß plastisch durch flache, umlaufende Bögen aufgelöst und monolithisch ohne Öffnungen ins Obergeschoß übergehend. Die massive, glatte Haut mit Sichtbetonoberfläche aus Weißzement dient als Schutzmantel vor Kälte und Witterung. Deutlich hinter den bogenförmigen Öffnungen findet sich die Glasebene mit Schiebe- und Drehtüren, der dadurch erzeugte, überdeckte Zwischenraum wird als Loggia oder Umgang nutzbar. Das Dach zeigt ein lebendiges, durch schmale Lichtschlitze und den versenkten Dachgarten perforiertes Fassadenbild. Im Innenraum zeigen sich verschiedene, über beide Geschoße reichende Volumina, begrenzt von einer aus bogenförmigen Stützen errichteten Wandstruktur, die an den Faltenwurf eines mächtigen Brokatstoffbehanges erinnert, wobei die Wände des Moscheeninnenraums geschlossen in Erscheinung treten. Die weiten, bogenförmigen Außenwandöffnungen im Hauptgeschoß erlauben den freien Einblick und Zutritt.
Dem großteils in den Felsrücken eingegrabenen Untergeschoß kommt die Funktion der Organisation und Versorgung des Bauwerks zu, mit einer Eingangshalle und einer breiten, auf den Teppich des Hauptgeschoßes weiterführenden Haupttreppe. Hier finden sich der öffentliche Hammam, ein zentral unter der Moschee angelegter Massage und Ruhebereich, Teeraum und Schwitzbäder, aber auch Waschräume für Verstorbene.
Auf der Hauptebene findet man sich in der Halle wieder, welche den Schwerpunkt der öffentlich-kulturellen Funktion des Moscheenbezirks bildet, mit der Moschee sowie dem BesucherInnenraum, mit Blick über die gedeckte Loggia in die Donaulandschaft im Süden und auf die gegenüberliegenden, bewaldeten Hänge. Um die Halle herum grenzen offene Gänge an die Moschee mit umlaufenden Öffnungen und führen im Norden zum langen Wasserbecken und dem Waschraum für Männer mit den Schuhablagen. An die große Terrasse im Osten mit ihrer Freitreppe zur Straße schließen der Speiseraum und die Küche mit Platz für etwa 120 Personen und gegenüberliegend die Bibliothek an, die einen Innenhof mit Wasserbecken umschließt und Leseplätze an der prominenten Fassade zur Stadt anbietet.
Man gelangt über eine zweiläufige Treppe ins Obergeschoß, den geschützten Frauenbereich mit seinem Waschraum und erreicht die mit Leseplätzen und Sitzgruppen versehene Galerie der Moschee und in der Folge Lese- und Lernbereiche der Koranschule um den Innenhof. Entlang der Südfassade findet man den großen Versammlungsraum mit 120 Plätzen und das Direktorat, welches an einen offenen Dachgarten schließt.
Die Innenhöfe mit ihrer skulpturalen Ausformung der Stützen definieren Zugänglichkeiten und Sichtbeziehungen zwischen den beiden voneinander getrennten Bereichen, angelehnt an die im orientalischen Raum als Maschrabiyya-Gitterwerk bekannte Bauart. Wie der Bewegungsfluss für die BesucherInnen werden Sichtbeziehungen sowie die Wirkung von Licht und Schatten innerhalb des Gebäudes klar definiert und gelenkt: Die horizontale Blickbeziehung im Inneren und zur Landschaft hin wird noch durch die von der Bogenform der Öffnungen erzeugte Rahmung verstärkt. Dem entgegengesetzt wirkt die Ausrichtung des Lichteinfalls im Obergeschoß, nur auf die Funktion der Aus- und Weiterbildung konzentriert. Die Blickbeziehungen richten sich nach innen und lassen nur die Sicht auf das Hauptgeschoß zu. Vor allem aber wird der Lichteinfall über die Oberlichtbänder der Arkadengänge wirksam. Das Licht streift seitlich über die Struktur der Stützenwand in die Lichthöfe. Der Tradition bekannter Moscheenbauten folgend, sucht das eintretende Licht seinen Weg über die Kanten in die Halle, mit der sich stetig verändernden Schattenbildung an den begrenzenden Wand- und Bodenelementen, vor allem in der Reflexion der bewegten Wasserflächen der Waschbrunnen. Es zeigt sich ein plastisch-skulpturales Schauspiel im sonst nüchtern gehaltenen Inneren.
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